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Regicide Drucken
Freitag, 23. September 2011, 21:00 - 23:59    
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Besondere mediale Ereignisse rufen unweigerlich nach Wiederholung. Besser noch nach einer Fortsetzung. Im schlimmsten Fall heißt das: Lauer Abklatsch. Gegebenenfalls auch:
Neuauflage – nur größer und teurer und wenig einfallsreich. Wenn Regicide nun hingegen ihr Schweigen brechen, um ein weiteres Königsdrama auf die Bühne zu bringen, darf selbstredend mehr erwartet werden: Ein deutlicher Schritt nach vorn, das Erreichen der nächsten Stufe.

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Werden wir zeugen seiner Premiere: Das Licht ist stimmungsvoll gedämpft, der Saal besetzt bis auf den letzten Platz. Das Publikum scharrt unruhig mit den Füßen. Regt sich schon etwas hinterm schweren Vorhang? Raunend werden Mutmaßungen angestellt, was an Form und Ausdruck zu Erwarten steht und wie sich der Wechsel im Ensemble auf das Zusammenspiel der sieben Charaktere auswirken wird. Tuschelnd werden Erinnerungen ausgetauscht, die Spuren abgeglichen. Die Glücksmomente bei den gemeinsamen Gastspielen von Regicide und Kollegen wie Schandmaul, In Extremo, Uriah Heep und
natürlich auf dem Wacken Open Air.
Der Trost im Stillen Kämmerlein, inmitten alltäglicher Betrübnisse. Der Weg der damaligen Debütanten in den inneren Zirkel bleibender Favoriten. Dann wird es still. Der schwere Stoff schiebt sich zur Seite. Die Bretter, die die Welt bedeuten liegen offen im warmen Farbenspiel der Scheinwerfer und ohne Umschweife versetzt uns das norddeutsche Septett wieder mitten hinein in seine nonkonformistische
musikalische Ideenwelt. Durchzogen von Heiner Jaspers’ Klavierkaskaden und durchwirbelt vom folkig angehauchten Spiel der Geigerin Jonna Wilms. Geerdet von der hörbar zu einer Einheit zusammengewachsenen dreiköpfigen Rockfraktion, die neben Schlagzeuger Til Kasmann und Gitarrist Michael Borchers Malte Hunold am Bass umfasst.
Gekrönt schließlich durch den ausdrucksstarken und variantenreichen Wechselgesang des
Duos Birgit Lau und Timo Südhoff.
 
Wo diese sieben Individualisten aufeinander treffen, darf man gängige Kategorien und Schemata getrost vergessen. Regicide tragen die gewohnten Klischees zu Grabe und erwecken an ihrer Statt einen flirrenden Klangkosmos zum Leben, in dem nichts unmöglich ist: Zu munteren chromatischen Violinläufen lassen sie die „Plastic Dove“ flattern, „Nothing In Here“ zieht uns im orchestralen Walzertakt mitten hinein in einen von Kerzenlicht durchflackerten Ballsaal und „An Embracing Space Part III – Eclipsing Lights“ setzt das auf „Viorus“ eingeleitete Epos um schizophrene Zustände packend und
ideenreich fort. Progressive-Riffs treffen auf musicalartige Passagen, herzerwärmende Melodik begegnet fragilen Momenten der Melancholie.
Regicide hat alles, was die Band in die Riege der vielversprechendsten Newcomer der vergangenen Jahre katapultierte und baut diese Stärken konsequent aus: Mehr Druck, mehr Eleganz, mehr Vehemenz im Ausloten der Extreme. Das Ergebnis: Ein ausgefeiltes großes Drama, das den Alltag durchbricht, die Sinne verwirrt und nur eine Reaktion zulässt: Donnernden Applaus!

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